Mailand – Eine Stadt voll von Mode, Architektur und Kunst

Ti Amo Milano Mai 2012
Einmal Mailand und zurück

Zu diesem Mailand-Special weiche ich mal von der typischen Schreibform dieses Blogs ab und werde teilweise in der „Ich-Form“ schreiben. Letzte Woche war ich für einige Tage in der italienischen Großstadt Mailand zu Recherche- und Inspirationszwecken für meine Abschlussarbeit sowie für diesen Blog unterwegs. Im Folgenden könnt/können ihr/Sie einige meiner Stationen in dieser kulturell vielseitigen Stadt mit mir zusammen noch einmal erleben. Ich werde dabei auf die Themen Mode (selbstverständlich für Mailand), Architektur und Kunst näher eingehen und zuletzt noch einige interessante Fakten und Beobachtungen zum Besten geben. Eines sei jetzt schon gesagt, diese Stadt brennt nur so vor Kreativität und Inspiration für den Besuchenden.

Mode in Mailand – Unglaublich interessant, unglaublich teuer

Was wäre die Modewelt ohne Mailand und was wäre Mailand ohne die Modewelt. In Bezug auf die Stadt selbst, wäre sie noch immer ein Schmuckstück der Kunst und Kultur, in Hinblick auf die Modewelt würde etwas fehlen. Ich bin zwar nicht der klassische Anzugträger (als Student schon gar nicht), aber nicht erst seit Barney Stinson wissen wir, Anzüge können zu jeder Gelegenheit getragen werden und zu jedem Typ passend. In Mailand wimmelt es nur so vor Anzugträgern, welche aber niemals schlabbrig oder altbackend (wie so oft in Deutschland) aussehen, sondern hier wird dieses Kleidungsstück zelebriert. Farblich meist klassisch in beige, blau, schwarz und weiß gehalten (die insgesamt mit ein zwei Ausnahmen die Modewelt in Mailand prägen), wird mit den Schnitten der Kleidungsstücke eher mal leicht experimentiert. Die Damen der Schöpfung in Milano tragen derzeitig Blümchenmuster, jedoch auch nie zu grell oder gar zu bunt oder Sommerkleider in den schon beschriebenen Farben.

„Britain Look“, royablau und rot

­Wenn es mal Farbe sein darf, dann diesen (in Deutschland dominiert noch gelb die Mode- und Werbelandschaft) oder nächsten Sommer wohl royalblau in Kombination mit einem kräftigen rot (Bild), quasi im „Britain-Look“, passend zu den im Sommer beginnenden olympischen Spielen in London. Wer wirklich Geld ausgeben will (als Student wohl eher unwahrscheinlich) sollte in die Via Monte Napoleone sowie ihre Parallelstraße Via della Spiga ins „Goldene Karee“ gehen. Jegliche italienische und einige ausländische Designer, die etwas auf sich halten, stellen dort ihre modischen Kunstwerke aus.

Via Monta Napoleone
Via Monta Napoleone, Mode in voller Pracht

Zu Anfang der „Via Monte Napo“ (liebevoller Kosename der Milanesen) befindet sich ein interessanter Laden für den kleineren Geldbeutel. „Kilo Fascion“ nennt dieser sich. Hier werden Designerstücke aus den Edelboutiquen teilweise zu Schnäppchenpreisen verkauft. Der Clou dabei ist, dass der Preis der Kleidungsstücke nach Gewicht und Kategorie berechnet wird. Mit Glück sind Preisnachlässe von bis zu 80% drin. Wer noch immer nicht genug von Designersachen hat, sollte den Ring um die Innenstadt besuchen. In diesem Bereich siedeln sich viele Innenausstatter an, die von der aktuellen Mode sich beeinflussen lassen und Möbelstücke erstellen, die zum Träumen einladen.

Architektur in Mailand – Träume aus Holz und Stein

Es ist unmöglich ihn zu verfehlen, wenn man in der Mailänder Innenstadt unterwegs ist. Er strahlt in der Sonne und ist von einer Schönheit dank seiner Farbe und seines Detailreichtums, dass man ins Schwärmen gerät. Die Rede ist vom Mailänder Dom.

Mailänder Dom, "Duomo" 2012
Mailänder Dom, „Duomo“ 2012

Ein Riese aus weißem Marmor. Über 4.000 Statuen zieren das In- und Exterieur dieses Monuments. Ein jede von ihnen ein Meisterwerk für sich. Innen ist der Mailänder Dom gespickt mit Bildern von verschiedenen Künstlern aus unterschiedlichen Epochen. Die Fenstergemälde strahlen in allen Farben des Regenbogens und erzählen ihre Geschichten dem Beobachtenden. Der Dom selbst ist aus der Zeit des 14. Jahrhunderts (Baustart), kann aber architektonisch stilistisch kaum zugeordnet werden, da seine Arbeiten bis in das 19. Jahrhundert andauerten. Seine volle Pracht entfaltet sich erst, wenn man die knapp 200 Treppenstufen bis hinauf auf sein Dach nimmt und dem von Wetter und Mensch bearbeitetem Stein erst richtig nahe kommt. Vielleicht etwas respekt-, aber bei weitem nicht lieblos, habe ich das Dach über Mailand zu meinem „Lieblingsgrillplatz“ der Welt gekürt. Wer Mailand besucht, für den ist der Dombesuch Pflicht. Genau neben dem Dom befindet sich die Mailänder Galerie, ein nicht minder imposantes Gebäude aus der Gründerzeit von vor knapp 150 Jahren. Aufgebaut ist sie wie ein großes Kreuz, ihr Eingang ziert ein mächtiger Triumphbogen. In diesem knapp 50 Meter hohem Gebäude sind, wie soll es auch anders sein Edelboutiquen vertreten, aber auch italienische Cafés und kleinere andere Läden. In der Mitte befinden sich mehrere Tiergemälde verschiedener italienischer Städte. Große Berühmtheit ist dem Mosaik des Turiner Stiers zu Teil geworden. Einer Legende nach bringt eine Hackendrehung auf dem Gemächt des Tieres Glück. Da dies nicht nur die Milanesen machen, sondern auch Heerscharen von Touristen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieses kleine Kunstwerk des Öfteren saniert werden muss. An einem Ende der Mailänder Galerie liegt die Mailänder Scala, eines der wohl bekanntesten Theater der Welt. Von außen leicht unscheinbar, im neoklassizistischen Stil gebaut, hat es sich mit seinen Aufführungen zu Weltruhm verholfen. Architektonisch hat Mailand natürlich noch viel mehr zu bieten, als ich hier zu beschreiben vermag. Von gefühlten 10.000 Kirchen in unterschiedlichen Stilen, über modernisierte Klöster bis hin zur alltäglichen Architektur in den Straßen der italienischen Metropole und ehemaligen Hauptstadt des römischen Reiches, lässt sich für Fans des Baudesigns alles finden.

Kunst in Mailand – Da Vinci, Michelangelo und co.

Wenn man schon einmal in Mailand ist, so sollte man in die etwas unscheinbare (im Vergleich zu anderen pompösen Kirchen und Klöstern) wirkende Santa Maria Delle Grazie gehen. Hier findet man Leonardo Da Vincis Meisterwerk „Das Abendmahl“ oder im italienischen Sprachgebrauch auch „Cenacolo“ genannt.

Leonardo Da Vincis Abendmahl
Leonardo Da Vincis „Abendmahl“ in der Santa Maria Delle Grazie

Vier Jahre von 1494 bis 1498 arbeitete Da Vinci an dem Kunstwerk, an dem er eine zu dieser Zeit neue Technik der Freskenmalerei ausprobierte. Genau genommen ist es an sich von der Ausführung her kein Fresko, da dieses Bild Da Vincis in Tempera auf einer Gipswand entstand, was letztendlich dazu führte, dass sein Verfall schneller voranschritt als bei traditionellen Freskenmalereien. Lange Zeit verfiel das Gemälde in den Mauern des Klosters und wurde falsch restauriert bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, als es endlich korrekt behandelt werden konnte und seitdem nur unter strengen Auflagen zu besichtigen ist. Jedoch war Leonardo da Vinci nicht nur zum Arbeiten im schönen Mailand. Für den Herzog von Mailand, Ludovico Maria Sforza, veranstaltete Da Vinci im berühmten Mailänder Schloss Castello Sforzesco große Feiern und wurde von diesem in seinem künstlerischen Schaffen gefördert. In dem Schloss ist heutzutage auch ein Museum, das Michelangelos unvollendete Statue Pietà Rondanini ausstellt und allemal ein Besuch wert ist. Wer Lust auf etwas aktuelle Kunst hat, sollte in das Künstlerviertel rund um die Via Brera besuchen. Hier lohnt sich vor allem der Palazzo di Brera. Er beherbergt verschiedene interessante Institutionen. Zum einen die Pinacoteca di Brera, ein Museum für Liebhaber der antiken und modernen Kunst (hatte leider beim Besuch des Palazzos geschlossen). Zum anderen befindet sich in den Räumlichkeiten auch die Akademie der schönen Künste.

Canovas "Napoleon Bonaparte", 2012
Canovas „Napoleon Bonaparte“ im Palazzo Di Brera

Der Innenhof des Palazzos zeigt schon wer hier Herr im Haus war. Wichtige Menschen der Kunst- und Kulturgeschichte sind hier als Statuen ausgestellt. In der Mitte eine Statue mit dem Namen „Napoleon Bonaparte“ des Künstlers Antonio Canova. Ein anderer interessanter Anlaufpunkt in Mailand derzeitig ist die Kirche St. Ambrogio. Nicht nur ihr Inneres ist äußerst beeindruckend. Zurzeit lässt sich an ihrer Seite eine Kunstausstellung von verschiedenen Bronzestatuen des Künstlers Armando Riva besuchen, die teilweise Tiergestalt annehmen. Zwar bietet Mailand in den Bereich Mode, Architektur und Kunst noch einiges mehr, aber dies sollte erst einmal reichen, um diese wundervolle Stadt für euch/Sie schmackhaft zu machen nach allen Regeln der Kunst.

Weitere interessante und lustige Fakten über Mailand

– Mailand war vom 3.-5. Jahrhundert Hauptstadt des weströmischen Reiches

– Bauvorhaben werden regelmäßig gestoppt, da aus dieser Zeit Überreste gefunden werden

– Im 2. Weltkrieg wurde die Santa Maria Delle Grazie schwer getroffen; wie durch ein Wunder blieb Leonardo Da Vincis „Abendmahl“ verschont

– Das Mailänder Stadion Giuseppe Meazza (spielte für beide Vereine) hieß früher San Siro nach dem Stadtteil und einer im 2.Weltkrieg zerstörten Kirche benannt

– Im Mailänder Dom findet sich eine Statue des heiligen St. Bartholomäus, der keine Tunika trägt, sondern seine abgezogene Haut über den Schultern

– Falls man eine Kirche betritt sollten gerade Frauen darauf achten richtig gekleidet zu sein

– Das Wappen von Inter Mailand zierte lange Zeit eine Schlange

– Der Orto Botanico ist ein wundervoller botanischer Garten mitten im Herzen der Mailänder Innenstadt im Palazzo di Brera

– Die Mailänder nennen die Statue von Leonardo Da Vinci und seinen Schülern vor der Mailänder Scala „Einen Liter für fünf“, da der Meister aussieht wie eine große Flasche

– Bustickets werden nicht im Bus, sondern an Kiosken verkauft und sind nur eine bestimmte Zeit gültig

– Ein Zebrastreifen in Mailand heißt noch lange nicht, dass man sicher über die Straße kommt

Ich hoffe euch/Ihnen hat mein kleiner Beitrag über Mailand gefallen. Wer gerne noch mehr erfahren möchte oder Tipps benötigt, der kann mich gerne jeder Zeit anschreiben. Es grüßt recht herzlich,

Adrian Berger

Ti amo Milano!